Panzer im Moor - Hassel

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Panzer im Moor

Hassel

Das Moor stoppt die Panzer

Kapitulation vor der Natur

Bergungsarbeiten dauern Tage

Hassel, 16.9.1987 - Im wahrsten Sinne des Wortes mit einem Schlag ins Wasser endete für eine amerikanische Panzereinheit am Mittwoch gegen 8 Uhr bei Hassel der "Sichere Schlag". Elf schwere Kampf- und Bergepanzer blieben im Moor stecken. Für ihre Besatzungen ist die heiße Phase des "Refoger" manövers nun erst einmal zu Ende. Vielleicht werden die Soldaten sogar aus ihre Heimreise nach Fort Hood in Texas antreten. Nach Expertenmeinung kann es nämlich eine Woche dauern, bis die Kolosse aus Stahl wieder festen Boden under den Ketten haben; und in einer Woche, am 24. September, ist das Manöver zu Ende.

Die  amerikanischen Panzer (M1 Abrams) befuhren Mittwoch früh die Kreisstr. 24 von der  Bundesstr. 3 kommend in Richtung Sülze. Weil die zu "blau" gehörenden  US-Soldaten erkundet hatten, daß britische Einheiten  von "orange" im alten Dorf Hassel eine "Mienensperre" gelegt hatten,  entschied der für die US-Panzer verantwortliche Major: "Wir weichen  aus!". Vor dem Hof des Landwirts Hans-Heinrich Timme (Hassel 4) bogen die Panzer  rechts ab. Wenig später blieben sie im Moor stecken, kippten zum Teil in  Entwässerungsgräben und fraßen sich mit ihren Ketten immer tiefer in  den durchnäßten Boden. Auch Bergepanzer mußten vor der Natur  kapitulieren.
Bis zum 17.9.1987 konnten erst 5 der 11 Panzer wieder flott gemacht werden. Doch für den Rest muß erst eine feste Straße aus Stahlplatten im Gelände gebaut werden. Bei den für schwere Fahrzeuge nun wirklich nicht geeigneten Wegen handelt es sich um "Knüppeldämme" im Moor. Sie bestehen aus Holz, Sand und Bauschutt und bieten wohl landwirtschaftlichen und forstwirtschaftlichen Fahrzeugen den notwendigen Halt, nicht aber Panzern.

Da bekommt man ganz schön lange Arme

Zunächst schien die Lage aussichtslos. Als am 16. September 11 amerikanische Kampfpanzer vom Typ M1 im morastigen Gelände in Hassel zu Teil bis zu Halskrause absackten, glaubte niemand an eine schnelle Bergung. Die Amerikaner aber ließen sich nicht entmutigen, schickten zwei schwere Bergepanzer an den Unglücksort. Auch sie ereilte das Schicksal. die Retter versanken ebenfalls im tückischen Moor, das den Texanern bislang unbekannt war.

Am 17. September war der Zeitpunkt gekommen: die Amerikaner gestatten Bundeswehreinheiten, sich der Sache anzunehmen. Nach Besichtigung der Lage wurden Pioniere am 18. September tätig.

In einer gemeinsamen Aktion von Einheiten aus Wuppertal, Unna und Höxter wurden 4 Bergepanzer, 6 Siebentonner-Kipper, 2 Raupen, 1 Radlader, 2 Unimog, 1 Schwenklader und ein Ölabwehrtrupp in Marsch gesetzt. Über 30 Bundeswehrsoldaten, die Besatzungen der US-Kettenfahrzeuge und   Angehörige der britischen Armee krempelten gemeinsam die Ärmel hoch.

74 Tonne Betonaufbruch wurden auf die arg malträtierten Waldwege gekippt. 1000 Meter Stahlflachstraße zu sieben mit 19,5 Tonnen Gewicht verlegt. Dann mußten die Männer zupacken. 5600 Stahlplatten mußten per Hand verlegt werden, um Rad- und Kettenfahrzeugen festen Grund zu geben. Das Stück zu 23 Kilo. Da bekommt man ganz schön lange Arme, sagten die Beteiligten Soldaten übereinstimmend aus. Panzer für Panzer wurde geborgen, einer hatte seine Ketten verloren, da mußten gleich 3 Bergenpanzer ran.

"Kein leichtes Stück Arbeit",so Oberleutnant Reinhold Peters aus Höxter, der schon so manchen schweren Brocken aus dem Schlamassel geholt hat, aber so viele Panzer auf einmal noch nie zu bewältigen hatten. in diesen Tagen wird die Bergeaktion, die ebenso wie die abgesoffenen Panzer in Europa und den USA für Furore gesorgt hat, abgeschlossen sein.

Die Pioniere aber werden noch einmal tüchtig hinlangen müssen. Sämtliche 5600 Stahlplatten müssen per Hand geborgen werden. Wenn die Soldaten abgezogen sind, wartet weitere Arbeit. Waldwege und zerstörte Wiesenflächen sollen nämlich wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt werden.

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